Klarheit für neue Wege.

Unter diesem Motto bieten wir Ihnen regelmäßig Impulse aus unserer Leadership Toolbox an. Um Nachahmung wird gebeten. Viel Spaß beim Entdecken und Lesen.

Führungsinstrumente Anne David-Schröder

 

 


06. Juni 2011, 18:57

Vom Umgang mit dem schwarzen Schaf...

In meinem Führungsseminaren und Coachings höre ich immer wieder von „schwarzen Schafen und sturen Eseln“ ;-). Im Ernst, die Frage nach dem „Wie“ treibt viele neue Führungskräfte um? Wie spreche ich Störungen konstruktiv an? Wie gehe ich mit Unverbindlichkeit um? Wie kann ich sagen, was ich anders haben möchte? Das alles – ohne Kollegen oder Mitarbeiter zu verprellen, schlimmer noch, gar zu verletzten – ohne die Beziehung aufs Spiel zu setzen. Wie positioniere ich mich in meiner Führungsrolle und werde als Führungskraft respektiert – ohne zum Kontrollfreak, Besserwisser oder Nörgler zu werden und „den Chef raushängen zu lassen“.

Probleme so anzusprechen, dass sie Gehör finden ist nicht einfach. Denn impulsiv Dampf abzulassen oder sich auf zarte Andeutungen zu beschränken wird Sie nicht zum Ziel bringen. Ich bin sicher, diese Erfahrungen haben Sie schon gemacht. Wie kann es also gehen?

Ein Leitfaden…

1.Welche Farbe habe ich und welche hätte ich gerne.
Fragen Sie sich selbst nach Ihrem Motiv? Was wollen Sie wirklich erreichen? Was ist Ihr Ziel für das Gespräch? Was soll sich ändern? Worum genau geht es Ihnen? Denken Sie daran: Kritik ist sehr subjektiv und spiegelt Ihre Wahrnehmung von einer Situation wieder. Was der eine schlecht findet, ist für den anderen oftmals gar kein Thema. Hinterfragen Sie deshalb vor einem Gespräch kritisch Ihren Anspruch, denken Sie an eigene Ecken und Kanten. Gewinnen Sie Klarheit über Ihr Ziel.

2.Auf der grünen Wiese oder in der Box.
Überlegen Sie sich, wen Sie ansprechen möchten. Geht es um eine bestimmte Person, macht es wenig Sinn in der nächsten Teambesprechung ganz allgemein Kritik zu üben. Die 5 Teammitglieder, die hoch engagiert Ihren Job erledigen, könnten die Welt nicht mehr verstehen und mehr als demotiviert zurück an die Arbeit gehen. Das „schwarze Schaf“ dagegen fühlt sich womöglich gar nicht angesprochen. Daher: Nutzen Sie Teambesprechungen nur, wenn Ihr Anliegen wirklich alle Teammitglieder gleichermaßen betrifft. Ansonsten empfiehlt sich: Ab in die Box – führen Sie das Gespräch unter vier Augen. Damit stellen Sie niemanden an den Pranger.

3.Schreiben ist Unkraut – Reden ist saftiger Klee!
Gerade in Zeiten der digitalen Kommunikation heißt es mehr denn je: Führung bedeutet emotional intelligente Kommunikation und Kontakt. Wann immer machbar - persönlichen Kontakt.

4.Solange die Wiese noch grün und saftig ist.
Jedes „schwarze Schaf“ war mal weißgrau. Warten Sie nicht zu lange und sprechen Sie Themen, die Ihnen auf der Seele liegen frühzeitig an. Sehen Sie es als Übungsfeld. Kleine Details, die es zu verbessern gilt, sind die beste Plattform, um zu üben, Feedback konstruktiv anzusprechen.

5.Auf dem Weg zum passenden Futter – Timeout nutzen.
Bereiten Sie sich gut vor. Holen Sie sich in Gedanken her, was Sie an der Person, mit der Sie das Gespräch führen möchten, schätzen. Je „schwärzer“ Ihr Schaf in Ihren Augen sein mag, umso wichtiger ist dieser Teil der Vorbereitung. Denn, wenn Sie sich auf das Positive konzentrieren, die Stärken des anderen im Blick haben (da gibt es immer welche) und die Vorbereitung für ein bewusstes Innehalten nutzen, fällt es Ihnen automatisch leichter, den richtigen Ton zu treffen.

6.Du siehst immer so schwarz….
Kann das gut gehen? Meist nicht. Finden Sie eine neutrale Überschrift für das Thema das Sie ansprechen möchten. Formulieren Sie um. Nutzen Sie ICH-Botschaften, denn klassische DU-Botschaften, wie „Du bist unzuverlässig.“ provozieren Gegenwehr und Abschottung – so schnell können Sie gar nicht reagieren. Und das ist ganz normal. Der Körper schaltet auf Angriff, Starre oder Flucht und schüttet Adrenalin aus, was alle weiteren Worte und Bemühungen Ihrerseits im Sande verlaufen lässt. Ist Ihr Gesprächspartner in dieser körperlichen Verfassung angekommen, haben Sie keine Chance mehr auf ein konstruktives Gespräch. Schildern Sie besser, was Sie konkret wahrgenommen haben. Was Ihnen wann aufgefallen ist. Was Sie gesehen haben. Beschreiben Sie das Verhalten aus Ihrer Perspektive. Verzichten Sie auf eine Bewertung oder Interpretation.

„Mir ist aufgefallen, dass die Kundenbestellungen am Montag und am Donnerstag letzter Woche nach um 17:00 Uhr rausgegangen sind.

7.Schwarze Farbe – große Wirkung.
Im zweiten Schritt, beschreiben Sie, was das bei Ihnen ausgelöst hat und welche Folgen ihr/sein Verhalten hat.

„Das ärgert mich und sorgt dafür, dass unser Lieferversprechen gegenüber dem Kunden nicht eingehalten wird.

8.Zeit für einen Boxenstopp
Geben Sie Ihrem Gesprächspartner die Gelegenheit, das Gesagte aufzunehmen, hören Sie aktiv und interessiert zu. Geben Sie Raum für eine Reaktion. So ermöglichen Sie, dass Ihr Gegenüber Ihr Problem erkennt und darauf reagieren kann.

9.Ich möchte hier nur weiße Schafe, oder…
Nun geht es darum, klar Ihre Erwartung zu formulieren. Und hier kommen wir zurück zu Punkt 1. Sie sind gut vorbereitet und haben Ihr Ziel gut im Blick. Also auf geht es: Äußern Sie klar und sachlich, was Sie sich für die Zukunft wünschen bzw. was Sie anders haben möchten. Hier können Sie auch Lösungsvorschläge aufgreifen.

„Mir ist wichtig, dass die Kundenbestellungen bis 14:00 Uhr bearbeitet sind und in den Versand gehen. Ich bitte Dich dafür Sorge zu tragen und Dir gegebenenfalls rechtzeitig Unterstützung einzuholen, um diese Vereinbarung halten zu können. Ich verlasse mich auf Dich.

Wichtig dabei: Was Sie am Schluss sagen, wirkt am längsten nach. Berücksichtigen Sie das, wenn Sie eine Rückmeldung geben und beenden Sie das Gespräch positiv.

10.Zeit für Farbwechsel
Bei größeren Themen: Vereinbaren Sie ein zweites Gespräch in 6-8 Wochen, um Bilanz zu ziehen und zu reflektieren was sich verändert hat und was es eventuell noch braucht für einen weiteren Schritt in die gewünschte Richtung. Hier ist auch der Zeitpunkt für ehrliche Wertschätzung des Erreichten. Auf der Wiese und in der Box.

Fazit: Trauen lohnt sich. Was Sie gewinnen? Klarheit, Respekt und Positionierung. Und auf Dauer gute Beziehungen, die durch Verbindlichkeit, Vertrauen und offene Kommunikation geprägt sind. Weil Sie Stellung beziehen, die richtigen Wort finden und anfassbar sind. Kein Meister hat seine Exzellenz in die Wiege gelegt bekommen. K. Anders Ericsson, Professor an der Florida-State-University, hat in einer Studie herausgefunden, dass es auf dem Weg zum Weltklasseformat 10.000 Übungseinheiten bedarf. In diesem Sinne – auch wenn Sie nicht in den Spitzensport wollen. Geben Sie sich Zeit und nutzen Sie jede Chance für ein Training, wenn Ihnen ein Thema wirklich wichtig ist. Ein Schweizer Sprichwort sagt „Wir scheitern nicht an den Niederlagen, die wir erleiden, sondern an den Auseinandersetzungen, die wir nicht führen.

Herzlichst, Ihre Anne David

Redakteur

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