Klarheit für neue Wege.

Unter diesem Motto bieten wir Ihnen regelmäßig Impulse aus unserer Leadership Toolbox an. Um Nachahmung wird gebeten. Viel Spaß beim Entdecken und Lesen.

Führungsinstrumente Anne David-Schröder

 

 


06. Juni 2011, 19:03

Eben noch Kollege - Heute Chef des eigenen Teams...

Wie Sie den Rollenwechsel meistern.

Geben Sie sich vier Monate Zeit! In diesen vier Monaten kommt es darauf an, strukturiert und strategisch in der neuen Rolle anzukommen. Die folgenden vier Phasen helfen Ihnen dabei, Fettnäpfe zu vermeiden und klar in Führung zu gehen.

1. Die Vorbereitung

Es ist soweit. Sie sind für die vakante Führungsposition vorgesehen, Ihr Chef glaubt an Sie und hat viel mit Ihnen vor. Seine Erwartungen sind hoch. Umso wichtiger ist es, nicht in schnellen Aktionismus zu verfallen.

Was hilft:
Verschaffen Sie sich im ersten Schritt Klarheit über...

  • Eigene Werte und Ziele in Bezug auf die neue Rolle
  • Werte des Unternehmens, Kultur und Führungsleitlinien
  • Erwartungen, die Ihr Vorgesetzter an die neue Rolle knüpft
  • Erwartungen von Kollegen auf gleicher Ebene
  • Erwartungen von internen/externen Kunden
  • Erwartung Ihrer bisherigen Kollegen und zukünftige Mitarbeiter

Beantworten Sie diese Fragen durch eine intensive Reflexion Ihrer eigenen Erfahrungen, Gedanken und Gefühle in Verbindung mit der neuen Aufgabe.

Zeigt sich hier, dass Ihnen die Erwartungen des Chefs nicht ganz klar sind, fragen Sie nach. Nur wenn Sie in den oben genannten Punkten Klarheit haben, können Sie auch mit Klarheit in die neue Führungsverantwortung gehen.

2. Der Rollenwechsels und die Zeit der Beobachtung

Sie freuen sich nun auf den Tag, an dem der Rollenwechsel Realität wird. Verbinden Sie diese Zeit mit einigen wichtigen Ritualen, um den Wechsel in die Führungsrolle für sich und für Ihr Team auch nach außen sicht- und fühlbar zu vollziehen.

  • Halten Sie eine „Antrittsrede“. Das verringert Spekulationen und gibt Sicherheit in der Phase des Wechsels. Strahlen Sie Ruhe aus und gehen Sie aus Ihrer neuen Rolle heraus mit Ihren ehemaligen Kollegen in Kontakt – gerade weil Sie die ehemaligen Kollegen führen werden und diese gut kennen. Hier ist der Moment, um einen Rahmen für die nächsten Wochen aufzuzeigen und Orientierung zu geben. Ihre Vision von Führung, einige persönliche Worte und Gedanke zum Wechsel, den Hinweis auf folgende Gespräche, damit verbundene Ziele und Ihr Vorgehen zu geben. Schauen Sie dabei nach vorn, nicht zurück. Das schafft Offenheit und Klarheit über das Vorgehen in den nächsten Tagen und Wochen.

  • Weisen Sie darauf hin, dass Sie sich in den kommenden Wochen ein Bild machen werden und vorschnellen Aktionismus vermeiden möchten. Vermeiden Sie auf jeden Fall die „Jetzt komm ich – Falle“, das Überbetonen der Chefrolle, vorschnelle Zusagen, überzogene Ziele, die „Alles bleibt, wie es ist - Falle“ und Aktionismus jeder Art.

  • Nutzen Sie die Phase der Beobachtung für ein offizielles erstes Gespräch mit jedem Mitarbeiter, um sich über die Erwartungen an die zukünftige Zusammenarbeit auszutauschen, die Teamstruktur aus der neuen Perspektive zu erfassen, Beziehungen auf- und auszubauen, Stärken und Schwächen zu erkennen und Informationen zu sammeln. Oft wird dieses wichtige Instrument nicht konsequent genutzt, weil Führungskräfte ehemaliger Kollegen denken, ich kennen doch die Mitarbeiter seit Jahren. Gerade für den Wechsel aus dem ehemaligen Kollegenkreis ist diese Phase jedoch sehr wichtig, denn mit dem Rollenwechsel ändern sich für alle die Strukturen im Team und der Blick auf den jeweils Anderen.

  • Akzeptieren Sie Ihre neue Rolle und die damit verbundene Distanz, die sich einstellt. Das ist normal, für Ihre ehemaligen Kollegen sind Sie nun nicht mehr der Mann/die Frau im selben Boot, mit dem sie in der Mittagspause auch mal den Frust rauslassen können oder über die Urlaubssperre schimpfen. Das hat mit Ihnen persönlich nicht viel zu tun, denn es gehört zur neuen Teamdynamik einfach dazu. Dies zu verleugnen, wäre gleichbedeutend damit, die Führungsrolle zu verleugnen.

Ihre wichtigsten Tools in dieser Phase:
  • Fragen
  • Aktiv Zuhören
  • Beobachten

3. Die Analyse

Erst jetzt in der Analysephase beginnen Sie, die gesammelten Informationen, Beobachtungen, Prozesse etc. mit Ihren Erwartungen abzugleichen. Das Motto lautet: Was IST – was SOLL sein? Was kann ich erfüllen, was will ich erfüllen – was nicht. Was sind daraus folgende Konsequenzen.

  • Teilen Sie diese Klarheit mit Ihren Mitarbeitern.

  • Definieren Sie Handlungsfelder und setzten Sie Prioritäten für die kommenden Monate.

  • Suchen Sie Lösungen für Themenfelder, bei denen Veränderungsbedarf besteht und binden Sie Ihre Mitarbeiter in den Prozess der Lösungssuche mit ein. So machen Sie Betroffene zu Beteiligten.

  • Beachten Sie bei Ihrer Planung auch Schnittstellen, deren Perspektiven und Notwendigkeiten und binden Sie sie ein.

4. Die Umsetzung führen

Die Prioritäten sind gesetzt. Nun heißt es, Maßnahmen einleiten, Prozesse optimieren, Veränderungen angehen. Denken Sie langfristig und lassen Sie sich auch jetzt nicht von kurzfristigen Drucksituationen völlig vereinnahmen. Ihre wichtigsten Tools für die Führungsarbeit:

  • Delegieren: Binden Sie Ihre Mitarbeiter ein. Holen Sie sie ins Boot, geben Sie das Ziel vor und lassen Sie für den Weg möglichst viel Spielraum. Delegieren Sie ggf. auch Ihre bisherigen fachlichen Lieblingsprojekte, um Zeit für Ihre Führungsaufgabe zu haben.

  • Motivieren: Schenken Sie Vertrauen, haben Sie ein Auge für das, was gut läuft. Gehen Sie auf die Suche nach Dingen, die das Team erfolgreich meistert und sprechen Sie Ihre Anerkennung dafür aus. Zeigen Sie den Sinn und Nutzen von Veränderungen auf. Finden Sie heraus, welcher Mitarbeiter für welche Aufgabe am besten geeignet ist, was seine Stärken sind, wodurch er engagiert ist (Aufgaben, die Sicherheit geben, Routine und Genauigkeit bedürfen oder eher Wechsel, Neues, Herausforderndes und Aufgaben, bei denen Präsentations- und Kommunikationsgeschick gefragt ist)

  • Informieren: Halten Sie Ihre Mitarbeiter auf dem Laufenden, geben Sie so viele Informationen wie möglich weiter

  • Meilensteine kontrollieren

  • Kommunizieren: Bleiben Sie in regelmäßigem Kontakt mit Ihren Mitarbeitern und dem Vorgesetzten, bauen Sie das Fundament für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit weiter aus.

Eine Frage der Professionalität – von Beginn an.

  • Reflektieren Sie immer mal wieder, wo Sie gerade stehen.
  • Tauschen Sie sich mit Ihren Führungskollegen aus.
  • Halten Sie den Kontakt zum Vorgesetzten.
  • Entspannen Sie sich und bewahren bzw. schaffen Sie sich einen persönlichen Ausgleich zur herausfordernden Führungsrolle.
  • Sprechen Sie mit Menschen, die nichts mit Ihrem Unternehmen zu tun haben für neue Perspektiven in herausfordernden Situationen.
  • Suchen Sie sich einen Mentor oder lassen Sie sich von einem Coach durch die ersten Monate begleiten.
  • Verabschieden Sie sich von Ihrem inneren Perfektionisten – denn in kleinen Schritten erreicht man die höchsten Gipfel am sichersten.

Wenn Sie nun feststellen, dass Sie einiges von dem, was Sie gerade gelesen haben in den ersten Monaten in der neuen Rolle nicht berücksichtigt haben – keine Panik. Es ist nicht zu spät aus der Antrittsrede bspw. ein Review zu machen und mit dem Team dann den Weg wie oben zu beschreiten.

Viel Erfolg dabei. Ihre Anne David

Redakteur

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